
Die Kirche des Schlosses Mentlberg gehört heute zur Innsbrucker Pfarre Maria am
Gestade. Sie ist eine beliebte Hochzeitskirche und malerisch gelegen, bietet
sich von ihr aus doch ein imposanter Blick auf die Nordkette.
1769 wurde sie in ihrer heutigen Gestalt nach Plänen von Konstantin Johann von
Walther zu Pfeilsberg, der auch die berühmte Innsbrucker Triumphpforte entworfen
hat, durch Michael Umhauser errichtet und am 5. September 1770 von Weihbischof
Romedius von Sarnthein zum Gotteshaus geweiht.
An ihrer Stelle befand sich ein Vorgängerbau von 1622, den Ferdinand von
Khuepach anstelle einer Turmruine hatte erstellen lassen. Dessen Sohn, Christoph
II. von Khuepach, hatte als kaiserlicher Offizier am Dreißigjährigen Krieg
(1618-1648) teilgenommen und kam auf seiner Rückkehr nach Tirol 1638 in Holzheim
bei Ulm, das protestantisch geworden war, vorbei. In der dortigen verfallenen
Kapelle fand er eine eindrucksvolle und ausdrucksstarke Holzplastik der
Schmerzensmutter, auf deren Schoß der Leichnam Christi ruht. Dieses Bildwerk war
einst in Holzheim als Gnadenbild verehrt worden, durch die Wirren der
Glaubensspaltung aber vernachlässigt und vergessen.
Christoph II. von Khuepach erhielt die Erlaubnis, es an sich zu nehmen, und so
überführte er es in jenem Jahre 1638 in die Schlosskapelle Mentlberg.
Bald schon wurde die Pietà als die Schmerzensreiche Mutter auf der Gallwiese
dort wiederum zum Ziel einer Wallfahrt und die Schlosskapelle in dem Maße, wie
sie als Pilgerstätte zunehmend beliebt wurde, zu klein, um die zahlreichen
Gläubigen aufzunehmen. Dies machte 1769 den heutigen Sakralbau erforderlich.
In ihrem Inneren stellt sich die Wallfahrtskirche Mentlberg als ein Gotteshaus
dar, das ganz auf das Kreuzes- und Passionsgeheimnis konzentriert ist. Das
Gnadenbild, das um 1500 entstanden ist, thront über dem Altar und ist in eine
Nische integriert, die zur 13. Station des Kreuzweges ausgestaltet ist: "Jesus
wird vom Kreuze abgenommen und in den Schoß seiner betrübten Mutter gelegt"
Diese Nische ist flankiert von den Assistenzfiguren der heiligen Katharina von
Alexandrien auf der Evangelien- und der heiligen Barbara auf der Epistelseite.
Ursprünglich waren auch zwei Assistenzfiguren, die die Heiligen Katharina und
Barbara darstellten, zusammen mit der Pietà aus Holzheim gekommen. Beim
Kirchenneubau von 1769/70 und seiner Innengestaltung hielt man zwar an den
dargestellten Heiligen fest, ersetzte die alten Statuen aber durch neue, im
zeitgenössischen Stil des Rokkoko ausgeführte Skulpturen, die Urban Kieber
zugeschrieben werden, wofür eine große Ähnlichkeit mit Statuen spricht, die wir in der Pfarrkirche Sistrans finden und die zweifelsohne Kiebers Werk sind.
Die Einbindung des Hochaltares, der von Josef Staff stammen dürfte, in den
Zyklus des Kreuzweges ist nicht ohne Vorbild, aber doch eine Rarität. Die
anderen Stationen sind in ovalen Medaillions wie gewöhnlich rundumlaufend in der
Kirche angebracht. Die Deckengemälde stammen von Matthäus Günther, der auch in
der Wiltener Pfarrkirche gearbeitet hat. Thematisch schließt das Deckengemälde
im Altarraum an das Altarbild an und zeigt die Kreuzabnahme. Die Darstellung der
Kreuzigiung überwölbt das Schiff der Kirche, über der Orgelempore sehen wir die
Grablegung Christi.
An den Seitenwänden des Schiffes begenet links eine Darstellung des heiligen
Joseph, ihr gegenüber jene Johannes Baptists mit dem Gotteslamm. Unterhalb
dieser Wandgemälde und seitlich davon sind über 50 Votivbilder angebracht, die
vom 18. bis ins 19. Jahrhundert entstanden sind. Sie dokumentieren die blühende
Wallfahrt und zugleich, dass diese sich neben Maria auch an die Sieben heiligen
Schläfer gerichtet hat, die unter dem Datum des 27. Juni im Martyrologium
Romanum verzeichnet sind. Diesen ist seitlich vom Aufgang zur Orgelempore im
Eingangsbereich der Kirche links eine Grotte gewidmet, die der Wiltener Abt
Dominikus Löhr 1668 noch dem Vorgängerbau der heutigen Kirche hatte angliedern
lassen. In der bäuerlichen Volksfrömmigkeit hatten und haben die heiligen
Siebenschläfer einen zentralen Platz und sind auch für diverse Bauernregeln von
kalendarischer Bedeutung.
Das Gnadenbild Mariens ist heute wieder vielverehrt. 1920 wollte es der damalige
Holzheimer Pfarrer für seine Kirche zurückkaufen, was ihm jedoch nicht gelang.
1980 unternahm der gesammte Holzheimer Gemeinderat eine Exkursion nach
Mentlberg, um das Gnadenbild in Augenschein zu nehmen. Damals wurde für die
Holzheimer Pfarrkirche eine orginalgetreue Kopie angefertigt.